Foto: ZDF/Sabine Finger Fotografie
«Der Bergdoktor»-Sanitäter Frédéric Brossier tauscht Tirol gegen Leipzig – und damit die Alpenpraxis gegen einen Herzchirurgen-OP. Das ARD-Publikum ist gespalten. Er spricht darüber.
Der Bergdoktor schickt Frédéric Brossier nach Leipzig
Wer Frédéric Brossier kennt, kennt ihn als David Kästner aus der ZDF-Alpenshow – Rettungssanitäter, später Sprechstundenhilfe bei Dr. Martin Gruber. Tirol, Berge, Going am Wilden Kaiser. Seit dem 26. Mai 2026 ist das Geschichte. Jetzt heisst seine Heimat Sachsenklinik Leipzig, seine Figur Dr. Benno Nowak – und sein Sender ARD.
Der Wechsel war absehbar, die Reaktion weniger. Brossier folgt auf Prof. Dr. Maria Weber, die «In aller Freundschaft» verlassen hat, und übernimmt ihren Platz in der Herz-Chirurgie. Was das Publikum sofort beschäftigt: Kann man dem Mann glauben, dass er jahrelange Operationserfahrung hat? Optisch lässt er sich das schlicht nicht ansehen. Brossier sieht nicht aus wie ein gestandener Herzchirurg. Das ist das Problem.
Und das ist gleichzeitig das Konzept.
Zu jung? Brossier antwortet direkt
Zu jung, zu glattgesichtig, zu frisch – ein Teil der Fans hat Stirnrunzeln. Im ARD-Interview geht Brossier dem nicht aus dem Weg. Was ihn an Benno Nowak begeistert, beschreibt er klar: Die Figur trage das Herz auf der Zunge und ecke damit an – «weil er erst reagiert und sich dann erst bewusst wird, was er eigentlich gesagt hat». Das gebe der Rolle «eine kleine Wildheit», so der Schauspieler. Genau das habe ihn gereizt.
Die Schwäche des Charakters ist also Absicht. Benno Nowak soll stören. Er ist kein ruhiger Routinier, sondern einer, der die Sachsenklinik durcheinanderbringt. Das klingt weniger naiv, wenn man das so betrachtet – die Figur ist jung, weil sie jung sein soll. Ein Arzt, der noch kämpft, nicht einer, der längst oben angekommen ist.
Brossier selbst findet das reizvoll. Jahrelang hat er beim Sanitäter-Charakter David Kästner gelernt, wie man in einer grossen Serienproduktion mitträgt. Jetzt bekommt er eine Hauptrolle mit Reibung.
Ein «wahnsinniges Geschenk» – dank alter Freundschaft
Brossier startete in Leipzig mit einem Vorteil, den nicht viele Neuzugänge haben: Er kennt Kollegin Vanessa Rottenburg, die Dr. Lucia Böhm spielt, auch privat. Die beiden haben im Fiktiven zur gleichen Zeit studiert – und im echten Leben offenbar eine funktionierende Freundschaft. Das macht einen Unterschied. Wer mit einem vertrauten Menschen in eine neue Produktion einsteigt, muss nicht erst Vertrauen aufbauen.
«Ein wahnsinniges Geschenk» nennt er das im Interview. Das klingt nicht nach Pflichtaussage, das klingt ehrlich. Einen neuen Charakter entwickeln ist anstrengend. Einen neuen Charakter entwickeln mit jemandem, den man mag, ist etwas anderes.
Was Benno künftig noch aufwühlen werde, wolle er auf sich zukommen lassen, sagt Brossier. Der Schauspieler lässt den Charakter wachsen, anstatt ihn vorauszuplanen. Das ist ein vernünftiger Ansatz für eine Figur, die noch nicht fertig ist.
Drei Fakten kompakt:
- Benno Nowak wurde als Gegenpol zur Klinikroutine angelegt – Unruhe ist Programm
- Brossier und Vanessa Rottenburg kennen sich auch abseits des Sets
- Der Wechsel vom ZDF- zum ARD-Krankenhaus war sein erster Sender-Wechsel
Mehr über den Mann hinter David Kästner: Frédéric Brossier über das Bergdoktor-Casting mit Hans Sigl und sein Wechsel von den Alpen in die Sachsenklinik.
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