Zwischen zwei Kulturen — aufgewachsen in Biel
Anna Pieri Zürcher wurde 1979 in Biel geboren, einer Stadt, die selbst zweisprachig ist: Deutsch und Französisch. Ihre eigene Kindheit war nicht weniger vielsprachig — eine italienische Mutter, ein deutschschweizerischer Vater. Französisch, Italienisch und Deutsch wurden zur Selbstverständlichkeit. Diese kulturelle Durchlässigkeit hat sie geprägt: für Grenzüberschreitungen jeder Art, für Figuren, die sich nicht einfach einordnen lassen.
Nach der Matura begann sie 1996 an der Hochschule der Künste Bern Klavier zu studieren. Vier Jahre Instrument, Theorie, Disziplin. 2000 schloss sie ab — und wechselte die Richtung. Von 2001 bis 2004 studierte sie Schauspiel an der renommierten École Supérieure d'Art Dramatique (ESAD) in Paris. Die Verbindung von Musik und Sprache, von Rhythmus und Körper blieb: Sie ist seither beides, Pianistin und Schauspielerin.
Theaterbühnen in Paris, Lausanne und Genf
Nach dem Abschluss in Paris folgten mehr als zehn Jahre auf den Bühnen der Romandie und Frankreichs. Am Théâtre du Loup in Genf spielte sie 2007 die Gretchen in «Mein Kampf»; am Théâtre Vidy-Lausanne 2008/09 die Titelrolle in «Les Caprices de Marianne». Einen besonderen Eindruck hinterliess sie als Ophelia in «Hamlet» am Théâtre de l'Orangerie Genf, einer Rolle, die sie über mehrere Spielzeiten bis 2015 begleitete.
Ihr Filmdebüt gab Anna Pieri Zürcher bereits 2004 in «Paul s'en va» unter Regie des Schweizer Filmveterans Alain Tanner. Es folgten weitere TV- und Kinoproduktionen, darunter «Station Horizon» (2015) und die Serie «Double vie» (2019), in der sie die Hauptrolle spielte — und für die sie den Schweizer Fernsehfilmpreis als beste Hauptdarstellerin gewann. Die Auszeichnung war mehr als eine Bestätigung: Sie öffnete die Tür zum grossen Publikum.
Tatort Zürich: Isabelle Grandjean seit 2020
Im Mai 2019 wurde Anna Pieri Zürcher gemeinsam mit Carol Schuler als neues Zürcher Tatort-Duo vorgestellt — als Nachfolgerinnen von Stefan Gubser und Delia Mayer. Die Premiere von «Züri brännt», der ersten Folge mit Grandjean und Ott, fand im Oktober 2020 am Zurich Film Festival statt, bevor sie auf SRF 1 und Das Erste ausgestrahlt wurde.
Ihre Figur Isabelle Grandjean ist keine einfache Heldin. Kühl, präzise, manchmal stur — und doch von einer inneren Überzeugung getragen, die in Konflikt mit den Regeln gerät. Anna Pieri Zürcher verleiht ihr eine Mischung aus Kontrolle und Verletzlichkeit, die schwer zu greifen, aber unmöglich zu übersehen ist. Bis 2026 hat sie elf Tatort-Fälle gespielt — und das Duo Grandjean/Ott gehört zu den meistdiskutierten Tatort-Paaren im deutschsprachigen Fernsehen.
Filmemachen als zweite Sprache
Neben der Schauspielerei arbeitet Anna Pieri Zürcher zunehmend auch als Filmemacherin — gemeinsam mit ihrem Mann, dem Kameramann und Regisseur Pietro Zürcher. Das Paar lebt im Waadtland, hat einen Sohn namens Salomon, und teilt die Leidenschaft für das Erzählen ausserhalb der grossen Produktionsmaschine.
Ihr gemeinsamer Kurzfilm «Cherubs» errang internationale Anerkennung: einen Jurypreis am Beverly Hills Film Festival, einen Preis beim Hollywood Shortsfest, Festivalauswahlen am NIFFF und den Tallinn Black Nights. 2026 folgte die Nominierung für den Schweizer Filmpreis in der Kategorie bester Kurzfilm — ein weiteres Kapitel in einer Karriere, die sich bewusst nicht auf eine einzige Rolle reduzieren lässt.
Mehr zu Anna Pieri Zürchers Tatort-Fällen als Isabelle Grandjean findest du in der Tatort-Zürich-Übersicht auf blaulichtsingles.ch.























