Von Winterthur nach Berlin
Carol Schuler wuchs in Winterthur auf — eine Stadt, die sie bis heute prägt, auch wenn sie längst in Berlin lebt und arbeitet. Schon früh stand fest, dass die Bühne ihr Zuhause werden würde: Mit fünf Jahren begann sie mit Ballett, mit zwölf stand sie erstmals vor der Kamera. Der Schweizer Filmpreis als Beste Darstellerin für den TV-Film «Lieber Brad» (2001) kam, als sie gerade einmal 14 Jahre alt war — ein Zeichen, das früh auf eine aussergewöhnliche Karriere hindeutete.
Von 2006 bis 2009 absolvierte sie ihre formale Schauspielausbildung am Europäischen Theaterinstitut Berlin. Was folgte, war ein konsequenter Weg zwischen Bühne und Leinwand: am Schauspielhaus Zürich, dann zunehmend im deutschsprachigen Film und TV. Seit der Spielzeit 2017/18 ist sie festes Ensemblemitglied der renommierten Schaubühne Berlin — einer der bedeutendsten Sprechbühnen im deutschsprachigen Raum.
Kommissarin Tessa Ott — das Herz des Tatorts Zürich
Im Mai 2019 wurde bekannt, dass Carol Schuler die neue Zürcher Tatort-Kommissarin spielen würde — als Tessa Ott, Profilerin und Partnerin von Isabelle Grandjean (Anna Pieri Zuercher). Am 18. Oktober 2020 lief die erste Folge «Züri brännt» auf ARD und SRF — und das neue Duo funktionierte sofort.
Was Tessa Ott von anderen Ermittlerinnen unterscheidet: Sie ist kein Klischee. Impulsiv, direkt, oft unbequem — aber nie unglaubwürdig. Carol Schuler hat der Figur über elf Fälle eine Entwicklung gegeben, die selten im deutschen TV zu sehen ist: vom Aussenseiter-Charakter zur vertrauenswürdigen Partnerin, ohne dabei die Ecken und Kanten zu verlieren. «Könige der Nacht» (2026) erreichte 7,18 Millionen Zuschauer — ein Quotenrekord für das Zürich-Duo.
Für die Grimme-Preis-Jury gab es Carol Schulers Qualitäten bereits 2020 zu entdecken: Sie erhielt den Grimme-Preis und den Deutschen Schauspielpreis für ihre Nebenrolle in der Netflix-Serie «Skylines».
Musik als zweite Sprache
Wer Carol Schuler nur aus dem Tatort kennt, kennt nur die Hälfte. Als Musikerin ist sie ebenso ernsthaft wie als Schauspielerin — und das in zwei sehr unterschiedlichen Welten gleichzeitig: Mit der Soul/Boogaloo-Band «El Cartel» bewegt sie sich im Groove von James Brown und Afrobeat. Mit «Chloé et les Enfants Terribles» taucht sie in die Swingwelt der 1920er Jahre ein.
Vergleiche mit Amy Winehouse weist sie zwar ab — doch die Stimme, die Intensität und der Sinn für musikalische Eigenständigkeit machen den Vergleich verständlich. Musik ist für Carol Schuler kein Hobby, sondern eine zweite künstlerische Sprache.
2024 ehrte ihre Heimatstadt sie mit dem Stadtkulturpreis Winterthur — eine Anerkennung nicht nur für den Tatort, sondern für das Gesamtwerk einer Künstlerin, die Theater, Film und Musik gleichermassen lebt.
Mehr über das Tatort-Zürich-Duo und alle Episoden: Tatort Zürich auf blaulichtsingles.ch.






































